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Träger der GfH-Ehrenmedaille

Professor Arno Motulsky

(Foto: Jürgen Kunz, Marburg)

Arno Motulsky wurde am 05. Juli 1923 in Fischhausen (Ostpreußen) geboren. Die politischen Verhältnisse zwangen die Familie 1939 Deutschland zu verlassen. Es dauerte aber noch mehr als zwei Jahren, bis sie in den USA in Sicherheit waren. 1944 begann Arno Motulsky sein Medizinstudium an der "Medical School of Illinois", das er dort 1947 mit der Promotion abschloss. Unter dem Einfluss des Hämatologen Karl Singer wandte er sich der Genetik der Hämoglobinopathien zu.

Es folgten eine Vielzahl von Arbeiten über die hämatolytischen Anämien, speziell die Glukose-6 Phosphatdehydrogenase (G-6PD). Beispielhaft gelang ihm hierbei eine Synthese zwischen klinischer, biochemischer und populationsgenetischer Forschung. Insbesondere die Beobachtung, dass Probanden mit einer G-6PD Defizienz nach Einnahme bestimmter Medikamente mit einer Hämolyse des Blutes reagieren, bewogen ihn bereits Mitte der 50er Jahre auf das Problem der genetisch bedingten Empfindlichkeit gegenüber Pharmaka aufmerksam zu machen. Die Bezeichnung für diesen neuen Zweig der Genetik, "Pharmakogenetik", wurde 1958 von Friedrich Vogel geprägt.

In konsequenter Fortführung dieser Arbeiten hat er sich verstärkt den wichtigsten allgemeinen Erkrankungen des Menschen, wie z.B. der Arteriosklerose, zugewandt, um die individuelle genetische Disposition, aber auch den Einfluss von Umweltfaktoren hieran zu ermitteln. Zusammen mit seinem Mitarbeiter Joseph Goldstein legte er die Grundlage zur Erforschung der familiären Hyperlipidämie. Goldstein und Brown fanden schließlich heraus, dass die molekulare Ursache einer Form ein LDL-Rezeptordefekt ist, wofür sie 1985 den Nobelpreis für Medizin erhielten. Die Breite des wissenschaftlichen Interesses von Arno Motulsky illustrieren auch seine Arbeiten über genetisch bedingten Farbsehstörungen und die daraus resultierenden psychologischen Implikationen.

Seit 1959 ist Arno Motulsky Direktor der genetischen Klinik der George Washington University in Seattle. Unter seiner Führung hat sich diese Abteilung zu einem der führenden Zentren der medizinischen Genetik in den USA entwickelt. Die Fähigkeit zur Synthese wissenschaftlicher Einzelergebnisse, der Blick für das Wesentliche und die Verantwortung vor der Gesellschaft kennzeichnen die Persönlichkeit Arno Motulskys. Ausdruck davon sind die vielen Ämter , die ihm übertragen wurden, sowie die zahlreichen Auszeichnungen, von denen hier nur zwei erwähnt werden sollen: die Verleihung der Ehrendoktorwürde im Jahr 1982 durch die Universität Illinois und 1991 durch die Universität Würzburg.

Beitrag von Prof. Dr. rer. nat. Sperling, anläßlich der Verleihung der GfH-Ehrenmedaille im Jahr 2003, in Marburg
Institut für Humangenetik, Berlin.

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