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Träger der GfH-Ehrenmedaille

Professor John Marius Opitz


(Foto: Christine Scholz, gfh)

Laudatio anlässlich der Verleihung der Ehrenmedaille an Professor Dr. John Opitz

Sehr geehrte Oberbürgermeisterin
sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
Magnifizienz
lieber Herr Hansmann
meine sehr verehrten Damen und Herren,
lieber
John,

in der noch jungen aber schon gewichtigen Reihe der Träger der Ehrenmedaille zeichnet die GfH in diesem Jahr einen Klinischen Genetiker von besonderer Güte, von herausragender Begabung und ungewöhnlicher Wirkung aus: Professor Dr. John Marius Opitz.

Es ist mir eine ganz besondere Ehre heute die Laudatio für John Marius Opitz, einem unserer bedeutendsten Klinischen Genetiker, halten zu dürfen. Als ich John Opitz zum ersten Mal Ende der achtziger Jahre traf, konnte ich nicht ahnen, heute diese ehrenvolle und angenehme Aufgabe übernehmen zu dürfen.
Lassen Sie mich zunächst einige Eckdaten aus seinem Lebenslauf zitieren:
John Marius Opitz wurde am 15.8.1935 in Hamburg geboren, wo er auch seine Schulzeit von 1942 bis 1950 verbrachte. Der weitere Lebensweg führte John Opitz in die USA. Von 1951 bis 1955 besuchte er die Highschool und anschließend das College der State University of Iowa in Iowa City. Diese frühen Studienjahre, er studierte übrigens zunächst Zoologie, wurden geprägt durch seinen Lehrer, Dr. Witschi, mit dem er 10 Jahre zusammenarbeiten durfte.

Dr. Witschi legte den Grundstein für John´s vielfältige biologischen Interessen auf den Gebieten der:
• Embryologie
• Endokrinologie
• Morphologie
• und Geschichte der Biologie.

Hierzu gehört die intensive Beschäftigung mit den Werken von
• Johannes Müller (1801-1858)
• Rudolf Virchow (1821-1902)
• Ernst Haeckl (1834-1914)
• Richard Hertwig (1850-1934)
• Hans Spemann und vielen anderen

Die Eremitierung von Dr. Witschi führte dazu, dass John Opitz ein Medizin-Studium begann, dass er 1959 mit dem Grad eines Medical Doctors (MD) abgeschlossen hat. Seine Ausbildung zum Kinderarzt erhielt er als Assistent an Krankenhäusern der University of Iowa City und später an der University of Wisconsin, Madison, wo er auch 1972 Professor für Pädiatrie und Medizinische Genetik wurde. Von 1974 bis 1979 war er Direktor des Wisconsin Medical Genetics Center.

In Madison arbeitete John Opitz als Fellow von David Smith, dem Nestor der Dysmorphologie. Während dieser Zeit entwickelte sich auch eine langanhaltende wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Enid Gilbert-Barness, die ihn als Pathologin in die Kunst der Autopsie einführte und sein Interesse für die Pathogenese von Fehlbildungen verstärkte. Aber auch mit den anderen „Fellows“ von David Smith wie Jürgen Spranger, Jim Petterson und Michael Cohen, um nur einige zu nennen, ergab sich eine fruchtbare, lang anhaltende Zusammenarbeit. In Madison nutzte John Opitz die Gelegenheit, sich außerdem grundlegende Kenntnisse in der Zytogenetik zu verschaffen, nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit Hans Zellweger und Klaus Pätau.

Sein weiterer Lebensweg führte ihn über Seattle nach Montana, wo er 18 Jahre lang als Direktor des staatlich genetischen Versorgungszentrums, des Shodair Hospitals in Helena Montana tätig war und gleichzeitig die Position eines Professors an der Montana State University, Bozeman, für Medizinische Genetik inne hatte. Seit 1997 ist er Professor für Kinderheilkunde, Humangenetik sowie Geburthilfe und Frauenheilkunde der University of Utah, Salt Lake City.

John Opitz ist Autor von mehr als 400 wissenschaftlichen Arbeiten und ca 50 Buchkapiteln. Viele syndromale Krankheitsbilder tragen seine Namen. Die meisten von ihnen werden ihnen bekannt sein. Stellvertretend für viele möchte ich hier nur einige der bekanntesten nennen:
• das Opitz BBB/G -Syndrom
• Opitz C-Syndrom
• Opitz Kaveggia- Syndrom (FG-Syndrom)
• und das Smith-Lemli-Opitz-Syndrom, ein Fehlbildungssyndrom, das durch eine Störung des Sonic-Hedgehog-Signalwegs verursacht wird .

John Opitz hat sich allerdings nie mit der alleinigen Deskription zufrieden gegeben, sondern legte immer großen Wert auf die pathogenetische Analyse der zugrundeliegenden Mechanismen.

Von besonderer Bedeutung sind seine grundlegenden Beiträge zur Entwicklungsbiologie. Er wandte das von Spemann eingeführte Konzept der „developmental fields“-in deutsch: Entwicklungsfelder-das 1935 durch die Verleihung des Nobelpreises seine Anerkennung fand- auf den Menschen an. John Opitz postuliert, dass alle primären Mißbildungen Entwicklungsfelddefekte sind. Entwicklungsfelder verkörpern die morphogenetischen Einheiten des Embryos, in denen räumlich koordiniert, zeitlich synchronisiert und epimorph hierarchisch Vorgänge zur Vollendung der Strukturen ablaufen. Anomalien der Blasto-und Organogenese führen zu qualitativen Defekten der Morphogenese also zu Fehlbildungen, während Phänogenesedefekte zu quantitativen Veränderungen also den sogenannten kleinen Anomalien führen. Das Konzept der Entwicklungsfelddekte ist Gegenstand zahlreicher Publikationen und Buchkapitel von John Opitz.

Neben den bisher aufgeführten Verdiensten für die klinische Genetik darf natürlich die Würdigung von John Opitz als Herausgeber des American Journal of Medical Genetics , kurz auch als „Blue Journal“ bezeichnet, nicht fehlen. Von 1976 bis 2000 war er erfolgreicher Herausgeber dieser Zeitschrift, die für klinische Genetiker immer noch das wichtigste Diskussionsforum darstellt. Viele von Ihnen werden selbst erfahren haben, dass er auch diese Aufgabe mit hohem Anspruch und großer Leidenschaft betrieben hat. Nicht selten erhielten die Autoren die revidierte Fassung ihres Manuskripts, das kaum wiederzuerkennen war. Die Spuren von John´s Red Pen waren im gesamten Manuskript zu sehen, das sprachliche Niveau hatte sich damit aber meist um Klassen gebessert. Diese rote Tinte hat ihm auch zu neuen Initialen nämlich Opitz RP verholfen.

Ich könnte noch lange fortfahren, die weiteren Verdienste von John Opitz, seine zahlreichen Mitgliedschaften und Ehrenmitgliedschaften in Gesellschaften, seine gleichermaßen zahlreichen Ehrungen einschließlich Verleihungen von Ehrendokorwürden aufzuzählen, dies würde dann aber unseren Zeitrahmen allerdings bei weitem sprengen.

Auf keinen Fall unerwähnt bleiben darf aber die Tatsache, dass John Opitz für die Entwicklung der deutschen Klinischen Genetik eine herausragende Bedeutung hatte und hat. Dies betrifft nicht alleine seine über viele Jahre sich erstreckende Zusammenarbeit und enge persönliche Freundschaft mit Herrn Professor Wiedemann in Kiel, den man zusammen mit seinem Schüler Jürgen Spranger als Protagonisten der pädiatrisch geprägten Klinischen Genetik in Deutschland bezeichnen muss. Eine jahrelange wissenschaftliche Verbindung im Bereich der Fetalpathologie besteht auch zu Frau Professor Rehder. Viele andere Kolleginnen und Kollegen in Deutschland und hier ist in jüngster Zeit besonders Anita Rauch zu nennen wurden und werden durch John Opitz fachlich beraten, ausgebildet und nicht zuletzt auch ermutigt und darin unterstützt, ihre Beobachtungen zu publizieren John Opitz war 1999 Visiting Professor im Institut für Humangenetik in Lübeck, Gastredner auf vielen deutschen Kongressen, so wird er im September dieses Jahres erneut einen Vortrag während der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde in Bremen halten.

Man kann sich vorstellen, dass die vielfältigen Aktivitäten und Interessen von John Opitz mehr als eines 24-Stundentags bedürfen. Ein solches Pensum kann nur von einem äußerst diszipliniert lebenden Menschen wie John Opitz es ist, bewältigt werden. Auf der anderen Seite ist es mir wichtig, dass ich John Opitz nicht nur als herausragenden Wissenschaftler kennenlernen durfte, sondern von ihm auch weiß, dass er immer noch Zeit findet, seinen humanistischen und kulturellen Interessen zu kultivieren, nämlich seine Liebe zur Musik, Literatur, Religion und Natur und nicht zuletzt zu seinen Freunden und ganz besonders zu seiner Frau Susan und seiner Tochter Emma.

Ich möchte diese Laudatio beenden mit einem Ausspruch den Enid Gilbert Barness anläßlich des 60. Geburtstags von John Opitz während des David Smith Smith Workshops in Big Sky Montana zitiert hat, beenden:
„A hero is known for achievements... he reveals the possibilities of human nature...heroes are people who make history...John Opitz is a hero.”

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

Gabriele Gillessen-Kaesbach

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