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Träger der GfH-Ehrenmedaille

Professor Friedrich Vogel

(Foto: Karl Sperling, Berlin)

Friedrich Vogel wurde am 06.03.1925 in Berlin geboren. Nach der Kriegsgefangenschaft begann er 1946 mit dem Medizinstudium an der Humboldt-Universität zu Berlin und wechselte 1948 als einer der ersten Studenten an die Freie Universität Berlin. Kurz nach der Promotion im Jahr 1952 trat er in das von Hans Nachtsheim geleitete Max-Planck-Institut für vergleichende Erbbiologie und Erbpathologie ein. Hier habilitierte er sich 1957 und verfasste 1961 das "Lehrbuch der allgemeinen Humangenetik". 1962 nahm er den Ruf auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Anthropologie und Humangenetik in Heidelberg an.

Dieser erlangte unter seiner Leitung eine national und international herausragende Stellung. Im Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Tätigkeit standen die Mutationsforschung und die Pharmakogenetik, die Populationsgenetik und die Verhaltensforschung, Gebiete, auf denen er richtungsweisende Erkenntnis erzielte, die inzwischen zum festen Bestand der Humangenetik geworden sind. 1968 verfasste er gemeinsam mit W. Fuhrmann das erste Buch über "Genetische Familienberatung" in deutscher Sprache. Friedrich Vogel hat Entwicklung der Humangenetik in vielen Bereichen mitgeprägt und entscheidend beeinflusst.

Wenn man seinen Einfluss auf die Humangenetik speziell in Deutschland richtig würdigen will, so ist zunächst an die Situation des Faches Anfang der 50er Jahre zu erinnern. Im Namen einer pervertierten Genetik waren unter der Herrschaft des Nationalsozialismus unfassbare Verbrechen an Menschen begangen worden. Es gab das Fach "Humangenetik" in Deutschland praktisch nicht mehr.

Friedrich Vogel hat sich von Anbeginn an den älteren deutschen und vor allem angelsächsischen Genetikern orientiert und sich als Schüler Nachtsheims immer dem rationalen Umgang mit den Erkenntnissen der Humangenetik verpflichtet. Man darf ihn als den führenden deutschen Humangenetiker der Nachkriegszeit bezeichnen, der hohes Ansehen mit persönlicher Bescheidenheit verbindet, großes Verantwortungsbewusstsein mit absoluter Integrität. Von den vielen Ehrungen soll hier nur die Verleihung der Ehrendoktorwürde im Jahr 1988 durch die FU Berlin angeführt werden.

Beitrag von Prof. Dr. rer. nat. Sperling, anläßlich der Verleihung der GfH-Ehrenmedaille im Jahr 2003, in Marburg
Institut für Humangenetik, Berlin.

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