Musterweiterbildungsordnung
Humangenetik
Definition:
Die Humangenetik umfaßt die Erkennung
genetisch bedingter Erkrankungen (monogen, multifaktoriell,
chromosomal oder mitochondrial) des Menschen, ihrer
Diagnostik mittels klinischer, zytogenetischer, biochemischer
und molekulargenetischer Methoden, einschließlich
der Differentialdiagnose zu nicht genetisch bedingten
Erkrankungen, sowohl pränatal als auch postnatal,
die Beratung der Patienten und ihrer Familien sowie
die Beratung und Unterstützung der in der Vorsorge
und in der Krankenbehandlung tätigen Ärzte
bei Erkennung und Behandlung von genetisch bedingten
Krankheiten.
Weiterbildungszeit:
5 Jahre an einer Weiterbildungsstätte
gem. § 8 Abs. 1.
1 Jahr im Stationsdienst in Augenheilkunde
oder Hals-Nasen-Ohrenheilkunde oder Haut- und Geschlechtskrankheiten
oder Frauenheilkunde und Geburtshilfe oder Innere Medizin
oder Kinderheilkunde oder Neurologie oder Orthopädie
oder Psychiatrie und Psychotherapie oder Urologie.
2 Jahre in der genetischen Beratung
1 Jahr im zytogenetischen Labor
1 Jahr im molekulargenetischen Labor
1 Jahr der Weiterbildung kann bei einem
niedergelassenen Arzt abgeleistet werden.
Inhalt und Ziel der Weiterbildung:
Vermittlung, Erwerb und Nachweis eingehender
Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten in der klinischen,
zytogenetischen, biochemischen und molekulargenetischen
Diagnostik genetisch bedingter Erkrankungen und der
Beratung der Patienten und ihrer Familien sowie in den
theoretischen Grundlagen genetisch bedingter Erkrankungen,
der Entstehung und Wirkung von Mutationen, der Genwirkung
und molekularen Genetik, der Vererbung von Mutationen
in der Bevölkerung sowie den ethischen, psychologischen
und rechtlichen Grundlagen genetischer Beratung und
Diagnostik.
Hierzu gehören in der Humangenetik
Eingehende Kenntnisse, Erfahrungen und
Fertigkeiten in
– der humangenetischen Diagnostik; dazu gehören
- die klinisch genetische Diagnostik
erblich bedingter Krankheiten, angeborener Fehlbildungen
und Fehlbildungssyndrome in einer Mindestzahl von
Fällen
- die Chromosomendiagnostik einschließlich
Zellkultur und der relevanten differentiellen Chromosomenfärbung
in einer Mindestzahl von Fällen, einschließlich
der Befundbewertung für die weiterbehandelnden
Ärzte
- molekulargenetische Diagnostik genetisch
bedingter Krankheiten einschließlich Risikoberechnung
und ärztlicher Bewertung der Befunde mittels
direkter und indirekter Methoden in einer Mindestzahl
von Familien.
– der Ermittlung genetischer Risiken, dazu gehören
- Risikoberechnungen bei monogen bedingten
Krankheiten aufgrund von Stammbaumdaten
- Prinzipien der empirischen Risikobestimmung
bei multifaktoriellen Krankheiten
- Wiederholungsrisiken bei Chromosomenaberrationen
- Risiken durch exogene Noxen vor
und während der Schwangerschaft
- Risikoberechnungen aufgrund
molekulargenetischer Marker
– der Durchführung einer Mindestzahl genetischer
Beratungen bei genetisch bedingten Erkrankungen aus
allen Gebieten der Medizin einschließlich Angaben
zum Wiederholungsrisiko, zur Prognose (Risikoabschätzung)
und zum Krankheitswert, sowie zu deren Bedeutung für
die Ratsuchenden einschließlich Erstellung einer
schriftlichen Zusammenfassung für die Ratsuchenden
und die weiterbehandelnden Ärzte.
– den theoretischen Grundlagen
der Humangenetik, dazu gehören
- die molekulare Genetik und
die Prinzipien der Genwirkung
- die Zytogenetik mit Zellkultur,
normale Chromosomenstruktur mit differentieller Färbung
sowie numerische und strukturelle Chromosomenaberrationen,
deren Entstehung und Folgen; dies schließt Turmorzytogenetik
und Molekularzytogenetik ein
- die wichtigsten Stoffwechselerkrankungen,
ihre genetischen Ursachen und ihre Auswirkungen, ihr
klinisches Bild, die biochemischen Grundlagen sowie
die biochemischen Nachweismöglichkeiten
- die Wirkung exogener Noxen vor (Mutagenese)
und während (Teratogenese) der Schwangerschaft
- die medizinische Statistik
(mathematische Behandlung) der Vererbung von Genen
in Populationen (Populationsgenetik) und Familien
(Kopplungsanalyse), einschließlich der Kriterien
genetischen Screenings
– den Grundlagen der genetischen
Beratung einschließlich der prädiktiven DNA-Diagnostik
unter Berücksichtigung psychologischer und ethischer
Gesichtspunkte sowie einer die Weiterbildung zur Beratung
begleitenden psychologischen Supervision
– den Prinzipien der Behandlung
genetisch bedingter Krankheiten
– den rechtlichen Grundlagen genetischer
Beratung und Diagnostik, einschließlich Datenschutz,
biologischer Sicherheit, Strahlenschutz und Laborbetrieb
– der Qualitätssicherung
ärztlicher Berufsausübung
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